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Ein Resümee und Stimmen zum Prämienverfahren 2015
Resümee und Stimmen zum Prämienverfahren 2015

"Das Prämienverfahren spielt uns in die Karten"

Ein Resümee und Stimmen zum Prämienverfahren 2015
Von Elfi Braun und Henning Krüger
Akzente 5.2016 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Als erster gesetzlicher Unfallversicherungsträger führte die BGN in 2014 ein Prämienverfahren ein, bei dem Unternehmen mit sehr gutem Arbeitsschutz eine Geldprämie erhalten können. Im Frühjahr dieses Jahres wurde die zweite Runde des neuen Anreizsystems abgeschlossen. Diesmal gingen insgesamt 6,7 Mio. EUR Prämie an 2.341 Betriebe. Einer davon ist die Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH in Mannheim.


Stefanie Pesch ist Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Coca-Cola am Standort Mannheim mit ca. 430 Beschäftigten. Sie nutzt das Prämienverfahren der BGN auch zur Förderung der Sicherheitskultur im Betrieb und erläutert: "Das Prämienverfahren spielt uns quasi in die Karten. Wir wissen, dass wir im Arbeitsschutz mehr machen – vieles davon gibt schon der Konzern vor – und wir wissen, dass wir darin gut sind. Das Prämienverfahren bestätigt das und belohnt uns noch dafür." Gute Argumente den Kollegen gegenüber, um deren Sicherheitsbewusstsein und Verantwortungsgefühl für die Sicherheit in ihrem Arbeitsbereich zu stärken: "Wir wollen, dass du dich sicher verhältst, und wir tun auch alles dafür, dass du dich sicher verhalten kannst."

Unterstützung bekommt Stefanie Pesch von Betriebsleiter Wolf-Dieter Bethlehem: "Eine gute Sicherheitskultur hat automatisch sichtbar positive Effekte für alle anderen Kennzahlen eines modernen Produktionsbetriebs. Daher ist für uns das aktive Fördern einer Sicherheitskultur selbstverständlich und ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit von Team und Betrieb. Das Prämienverfahren nutzen wir für unsere nachhaltige betriebliche Präventionsarbeit, zu der auch ein betriebliches Gesundheitsmanagementsystem gehört."

Die Prämierung des Standortes Mannheim durch die BGN postet Stefanie Pesch auch im konzerninternen sozialen Netzwerk: "Das ist Standort-Marketing und spornt Kollegen vielleicht an, auch beim Prämienverfahren mitzumachen." Dabei betont sie: "Viele wissen vielleicht nicht, wie wenig Arbeit es ist, den Prämienfragebogen auszufüllen. Ich weiß ja, was wir machen, und dokumentiere das ohnehin."

Ihr Einsatz jedenfalls hat sich wieder gelohnt. Bereits zum zweiten Mal hat Coca-Cola in Mannheim eine Prämie erhalten, die der Betrieb nutzt, um den Arbeitsschutz weiter zu optimieren.

2015: leichter Zuwachs
2.341 Betriebe hat die BGN für ihr überdurchschnittliches Engagement im Arbeitsschutz in 2015 ausgezeichnet und finanziell belohnt. Das sind 510 Betriebe mehr als im Jahr zuvor. Das ausgeschüttete Prämiengeld beträgt insgesamt 6,7 Mio. EUR. Drei Unternehmen erhielten die maximale Prämie von 100.000 EUR.

Bei den Teilnehmerzahlen gibt es zwei Jahre nach Einführung des Prämienverfahrens natürlich noch Luft nach oben. Erwartungsgemäß sind die meisten erfolgreichen Teilnehmer den mitgliederstärksten Branchen Gast- und Backgewerbe sowie der Fleischwirtschaft zuzuordnen. Orientiert man sich an den jeweiligen Teilnahmequoten der Branchen fällt hier insbesondere der besonders hohe Anteil erfolgreicher Teilnehmer bei den Zigaretten- und Stärkeherstellern mit 89 bzw. 59 Prozent auf. Im zweistelligen Prozentbereich liegen auch die prämierten Betriebe bei den industriellen Speiseeisherstellern, Molkereien und Käsereien, Erfrischungsgetränkeherstellern, Puddingpulverproduzenten, Zigarrenfabriken, Fleischbetrieben sowie Essenzen- und Konservenherstellern.

Erfreulich: Die erfolgreichen Teilnehmer von 2014 haben sich in 2015 weiterentwickelt. Sie setzten mindestens eine Präventionsmaßnahme mehr um als im Vorjahr – auch wenn dies nicht notwendig gewesen wäre, um die erforderlichen 80 Prozent der maximalen Punktzahl zu erreichen.

PRÄMIERTE UNTERNEHMEN

Vollbeschäftigte Anzahl prämierter Betriebe für 2015 (in Klammern Zahlen 2014)
1 bis 10 535 (559)
11 bis 50 881 (643)
51 bis 100 296 (192)
101 bis 500 507 (293)
Über 500 122 (144)
Insgesamt 2.341 (1.831)


Spitzenreiter der prämienrelevanten Maßnahmen
Schaut man sich die prämienrelevanten Maßnahmen an, werden viele Unternehmen feststellen, dass sie auch bei ihnen bereits gängige Praxis sind. Mehr als 90 Prozent der für 2015 prämierten Betriebe setzten folgende Präventionsmaßnahmen um:
  • Eindeutige Regelung zur Meldung sicherheitstechnischer Mängel
  • Verbot und Ahndung von Manipulation
  • In der Praxis gelebter Hautschutzplan
  • Ermittlung, Dokumentation und Terminierung von Schulungs- und Unterweisungsbedarf sowie die entsprechende Durchführung
  • Verwendung von Sicherheitsmessern
  • Maßnahmen der vorbeugenden Instandhaltung
  • Einbeziehung der betroffenen Beschäftigten in die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung
  • Ein Eintrag

Die neue Runde läuft
Seit Jahresanfang läuft das Prämienverfahren 2016. Und wieder gilt: Unternehmen, die in den Arbeitsschutz investieren und mehr machen, als der Gesetzgeber fordert, können eine Prämie von 25 EUR pro Vollbeschäftigten erhalten. Die Mindestprämie liegt bei 100 EUR, für Großbetriebe gilt eine Obergrenze von 100.000 EUR.

Ein Blick in den Prämienfragebogen und den Erläuterungsbogen lohnt. Er listet für die jeweilige Branche alle Arbeitsschutzmaßnahmen auf, für die es Prämienpunkte gibt. Es handelt sich um Maßnahmen, die nachweislich geeignet sind, die Arbeitsbedingungen und Arbeitsergebnisse weiter zu verbessern. Außerdem wurden sie in Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen auf Praxistauglichkeit getestet.

Für Neueinsteiger: Eine Zusendung der Original-Prämienbögen zur Beantragung einer Prämie für 2016 kann bereits jetzt vorgemerkt werden, dazu reicht eine E-Mail an: praemienverfahren@bgn.de Betriebe, die bereits erfolgreich teilgenommen haben, bekommen den Bogen zum Jahresende wieder automatisch zugeschickt.

Infos zum Prämienverfahren und der aktuelle Prämienfrage- und Erläuterungsbogen 2016: www.bgn.de, Shortlink = 1386