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Immer wieder Unfälle an Flaschenwaschmaschinen
Immer wieder Unfälle an Flaschenwaschmaschinen

Und dann schoss heiße Lauge heraus

Immer wieder Unfälle an Flaschenwaschmaschinen
Von Roswitha Liekefeld
Akzente 5.2016 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Unbeabsichtigt freigesetzte Natronlauge führt jedes Jahr an Flaschen- und Kistenwaschmaschinen zu zahlreichen Unfällen mit schwerwiegenden Verätzungen. Die Berichte der Unfälle mit ein- bis zweiprozentiger und 60 bis 85 °C heißer Lauge lesen sich wie folgt:

  • Bei der Entleerung des Laugenbads Klappe zu früh geöffnet. Lauge stand noch an, schoss heraus und verletzte den Mitarbeiter. Trotz Unterweisung trug er keine PSA.
  • Bei der manuellen Zugabe von Natronlauge in fester Form in heiße Lauge spritzte diese heraus. Keine PSA getragen.
  • In Vorbereitung von Reinigungsarbeiten wurde eine fasche Klappe geöffnet. Heiße Lauge schoss heraus. Keine PSA.
  • Technischer Defekt am Probenahmehahn: Es trat Lauge aus. Keine PSA getragen, keine Unterweisung.

Die Unfalluntersuchungen der BGN ergeben folgendes Bild:
  • Technische Schutzmaßnahmen fehlen.
  • Unterweisungen fehlen oder sind unzureichend.
  • Geeignete PSA fehlt oder wird nicht getragen.

Technische Sicherheit hat Priorität
Zu den Arbeitgeberpflichten gehört, in einer Gefährdungsbeurteilung Schutzmaßnahmen festzulegen. Dabei haben technische Schutzmaßnahmen oberste Priorität:
  • Mannlöcher/Klappen sicherheitstechnisch verriegeln
  • Mannlöcher/Klappen mit einem 2-stufigen mechanischen Verschlusssystem nachrüsten
  • auf flüssige Laugendosierung umrüsten
  • Probenahmehähne tief anordnen, damit austretende Lauge nicht den Menschen trifft
  • Instandhaltung planmäßig durchführen
  • regelmäßige Prüfung der Klappen, Ventile etc. veranlassen
  • angemessene Prüfintervalle festlegen

Die organisatorischen Maßnahmen umfassen Kennzeichnungen, Betriebsanweisungen für Entleerung und Probenahme, Unterweisungen, Bereitstellung der PSA einschließlich hygienischer Aufbewahrungsmöglichkeiten sowie ein Notfallmanagement.

Online-Checkliste zeigt Schutzmaßnahmen auf
Eine Online-Checkliste hilft beim Erkennen von Handlungsbedarf und daraus abzuleitenden notwendigen Schutzmaßnahmen. Sie kann direkt am Bildschirm bearbeitet und abgespeichert werden.
Download Checkliste: www.bgn.de, Shortlink = 1535

Fragen? Wenden Sie sich an Ihre BGN-Aufsichtsperson oder an den Diensthabenden an der BGN-Hotline: 0621 4456-3517